Radioprogramm:
09.05 Uhr
Radiokolleg - Europa und das Netz
Bereits lange bevor das WorldWideWeb den Zugang zum Internet erleichterte und online shopping erfunden wurde, gab es das Netz. Wissenschafter und auch Computerfirmen begannen bereits Ende der 60er Jahre damit zu experimentieren, Computer dazu zu bewegen, miteinander zu kommunizieren. Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Internetworking bedeutet nicht nur, Maschinen untereinander zu vernetzen, sondern auch Menschen. Vor allem den beteiligten Wissenschaftern war dies immer bewusst und sie lebten es auch. Man kannte sich, traf sich und tauschte Informationen aus: Online und auf internationalen Konferenzen. Kein Wunder, dass auch Europa zur Entstehung des Internets so einiges beigetragen hat. Am Anfang nannte man es sogar Catenet, nach dem lateinischen Wort catena, Kette. Ein Vorschlag aus Frankreich, der aber deswegen nur kurze Zeit erfolgreich war, weil niemand so genau wusste, wie man es aussprechen sollte.Aber das war nicht der einzige Vorschlag, der aus Europa stammte. Europa hat eine Geschichte zu erzählen. Eine Internetgeschichte, die geprägt ist von persönlichen Schicksalen, nationalstaatlichen Interessen und wirtschaftspolitischen Taktierereien. Es gab Ideen, die wieder in den Schubladen landeten, und solche, die als großer Erfolg gefeiert wurden und in den Tiefen des Internets noch immer das Label "Made in Europa" tragen. Ein Radiokolleg über die Entstehung einer der größten Erfolgsgeschichten des 20. Jahrhunderts, das Internet. Über die beteiligten europäischen Persönlichkeiten und Institutionen, über die gesellschaftlichen Veränderungen und Zukunftsvisionen.
Hörerwertung: 4 (30 Hörer)
09.30 Uhr
Radiokolleg - Vom Schwarzwild zum Schnitzel
Bei Schnitzel, Kotelett und Schinken schlägt der Österreicher alles: 74 Kilogramm Schweinefleisch verzehrt er durchschnittlich pro Jahr. Das ist Weltrekord. Zum Vergleich: Der globale Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei 15 Kilogramm.Hat man so ein Stück Geselchtes vor sich auf dem Teller, stammt es heute fast ausnahmslos aus der "industrialisierten" Massentierzucht. Dabei werden die neugeborenen Ferkel in sechs Monaten auf ein Schlachtgewicht von über 100 Kilogramm hochgemästet. Der Verbrauch an Kraftfuttermitteln und Medikamenten dafür ist beträchtlich, was das Schnitzel bei ernährungsbewussten Menschen oft in Verruf brachte. Nichtsdestotrotz ist das Hausschwein seit gut 9.000 Jahren einer der wichtigsten Fleischlieferanten für eine wachsende Menschheit.In seiner ursprünglichen, wilden Form ist das Schwein, unter Biologen Sus Scrofa genannt, indes ein höchst intelligentes, anpassungsfähiges und wehrhaftes Tier. Die Jagd auf das Schwarzwild, besonders auf die 200 und mehr Kilogramm schweren ausgewachsenen Keiler mit ihren massiven Stoßzähnen, galt immer als gefährlich, war für Menschen ohne Schusswaffen eine "königliche Mutprobe". Wie der Mensch auch, ist das Schwein ein Allesfresser. Es verwertet pflanzliche und tierische Nahrung gleichermaßen und ist dabei nach Angebot und Jahreszeit flexibel. Das begünstigt seine natürliche Verbreitung, die den gesamten eurasischen Kontinent umfasst. Und nicht zuletzt deshalb erweist sich Sus Scrofa dem Homo Sapiens als physiologisch und anatomisch ähnlicher, als uns vielleicht lieb ist: Die inneren Organe gleichen einander, sowohl bei Krankheitserregern wie auch bei den Medikamenten dagegen zeigen Mensch und Schwein meist ähnliche Reaktionen. Das macht Schweine als Versuchstiere für pharmazeutische Tests wichtig.Für die Flexibilität der Wildschweine spricht auch, dass sie sich neuerdings gern in Städten ansiedeln. Dank einer tierfreundlich eingestellten Bevölkerung werden sie dort kaum bejagt und bewohnen daher Parkanlagen und Vorgarten-Siedlungen. Im Jahr 2003 mussten in Berlin zwei Wildschweine abgeschossen werden, die sich gar auf dem zentralen innerstädtischen Alexanderplatz heimisch eingerichtet hatten.
Hörerwertung: 5 (23 Hörer)
09.45 Uhr
Radiokolleg - Pop-Utopien
Eine Vielzahl von Songs in der Popmusikgeschichte befassten sich mit sozialen und politischen Vorstellungen, Wünschen und Idealen einer fortschrittlichen Gesellschaft der Zukunft. An der Schnittstelle von Utopie-Gläubigkeit, Zeitgeist und Lifestyle auf der einen Seite und Absurdität beziehungsweise Satire auf der anderen Seite entstanden bizarre, überzeichnete und lustvolle Bilder vom Leben im Weltraum, androgynen Wesen, sexuellen Fantasien oder dem glücklichen Zusammenleben auf dem Heimat -Planeten Erde. Das Leben hinter dem Regenbogen: Zirkus- und Märchenwesen, verzerrte Gitarren am Rummelplatz oder Spinnen am Mars tummeln sich in diesen lyrischen Kleinoden, die ganze Modeindustrien mitprägten und seit ihrer Entstehung in den 1960er und 70er Jahren immer wieder zitiert und für neue Generationen adaptiert wurden. Hans Groiss diskutiert unter anderem mit dem Liedermacher und Schriftsteller Ernst Molden, dem Extrem-Bodyperformer Didi Bruckmayr und dem Experimentalmusiker Burkhard Stangl über die - so behauptete - härteste Rocknummer aller Zeiten, "Helter Skelter" von den Beatles aus dem Jahr 1968, über David Bowies "Ziggy Stardust"-Scheinwelt von 1972 und Bob Dylans "Desolation Row" aus dem Jahr 1965.
Hörerwertung: 2 (21 Hörer)
11.40 Uhr
Radiogeschichten
Sally und Frances sitzen im Café und erhoffen sich ein Gespräch. Der springlebendige Ben hält Sally auf Trab, seine Gegenwart schließt so ziemlich jede Art von Kommunikation aus. So sind die wenigen Worte, die die beiden Mütter miteinander wechseln können, nur die Spitze des Eisbergs. Sie kommen nie so weit, miteinander über ihren Schlafmangel, die Kindermädchen-Katastrophen oder die Zwänge ihres hektischen Alltags zu reden. Vieles bleibt ungesagt, als die Frauen nach einem Vorfall mit einer älteren Frau schließlich entnervt aufgeben und das Café verlassen.Die 1959 in Bristol geborene Helen Simpson wuchs in London auf und studierte Englische Literatur in Oxford. Durch den Erfolg ihrer Bücher, in denen Simpson sensible und schonungslos realistische Bestandsaufnahmen verschiedener weiblicher Lebensentwürfe zeigt, konnte sie nach fünfjähriger Tätigkeit als Redakteurin für die Zeitschrift Vogue als freie Schriftstellerin arbeiten. Bereits der erste Erzählband von Helen Simpson, "Four Bare Legs in a Bed" (1990), wurde mit dem "Somerset Maugham Award" ausgezeichnet. Für "Gleich, Schätzchen" (Originaltitel "Hey Yeah Right Get a Life") erhielt sie den "Hawthornden Prize" und den "E. M. Forster Award".
Hörerwertung: 6 (55 Hörer)
16.00 Uhr
Da capo: Ambiente
Rund 270 endemische Pflanzen soll es auf Sokotra, jener nur 130 Kilometer langen und 35 Kilometer breiten jemenitischen Insel im Indischen Ozean, geben. Seit 60 Millionen Jahren hat die Heimat der bizarr anmutenden Drachenblut - und Flaschenbäume keine Verbindung mehr zum Festland und blieb weitgehend isoliert. Die Monsunwinde machen es von Mai bis Oktober praktisch unmöglich, die Insel per Schiff zu erreichen, und so konnten sich viele Arten erhalten. Damit Sokotra "das Galápagos des Indischen Ozeans" bleiben kann, stellte der jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh per Dekret 73 Prozent der Inselfläche unter Naturschutz und Sokotra wurde zum Biosphärenreservat ernannt. Seit 2008 gehört die Insel zum UNESCO Weltkulturerbe. Durch den Flughafen, der vor rund zehn Jahren errichtet wurde, kommt die bislang unberührte Insel immer mehr mit dem modernen Leben in Berührung. Die Inselbewohner, die bislang in der Landwirtschaft und im Fischfang ihr Auskommen gefunden hatten, betätigen sich zunehmend im Tourismus, der als neue Einnahmequelle erkannt wurde. Jetzt gilt es - davon ist man überzeugt -, eine Balance zwischen Konservierung und Entwicklung zu finden.
Hörerwertung: 3 (71 Hörer)
21.00 Uhr WÖRTER.See
Simon hat einen ausgesprochen faden Job. Er sitzt Nacht für Nacht in einer mit Monitoren bestückten Überwachungszentrale und beobachtet Amerikas berühmtesten Schriftzug. Manchmal fallen Scheinwerfer aus, manchmal klettert jemand auf die Buchstaben und will sich von einem der beiden "L" zu Tode stürzen. Manchmal, wenn er zu viel getrunken hat, schläft Simon ein. Obwohl das natürlich strengstens verboten ist. Als Simon, ein junger Cowboy aus Montana, nach Kalifornien kam, hatte er noch Träume. Er hatte Geschichten und Drehbücher im Handgepäck, doch die Filmmetropole Los Angeles brauchte ihn nicht, spie ihn aus und drängte ihn an den Rand. Seither starrt Simon nachts auf seine Monitore, die den Schriftzug HOLLYWOOD zeigen - und träumt von den unbezähmbaren Pferden in seiner Heimat Montana.Magda Woitzuck, geboren 1983 in Niederösterreich, wurde bereits mehrfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Für ihr erstes Hörspiel "DogGod" erhielt sie im Februar dieses Jahres den Hörspiel-Kritikerpreis.
Hörerwertung: 2 (352 Hörer)
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