Radioprogramm

Ö1

Jetzt läuft

Gedanken für den Tag

06.00 Uhr
Nachrichten

06.05 Uhr
Guten Morgen Österreich

06:30 Uhr Nachrichten

06.55 Uhr
Zwischenruf

07.00 Uhr
Nachrichten

07.05 Uhr
Lebenskunst - Begegnungen am Sonntagmorgen

U. a. mit dem Beitrag: Es ist nie zu spät, immer ist Anfang! - Zum 100. Geburtstag von Erwin Ringel (1921-1994) "Mr. Suicide" nannte man ihn in den USA, "Seelendoktor der Nation" in Österreich. Der Psychiater, Psychotherapeut und Neurologe Erwin Ringel - Autor des Buches "Die österreichische Seele" - hat Meilensteine insbesondere im Bereich der Selbstmordverhütung und der Psychosomatik gesetzt. Erwin Ringel (Geb. am 27. April 1921 in Timisoara, Königreich Rumänien; Gest. am 28. Juli 1994 in Bad Kleinkirchheim, Kärnten) besaß schon in jungen Jahren einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn: 1938 wurde er als 17-Jähriger kurzzeitig von der Gestapo verhaftet, weil er, der Pfarrjugendhelfer von St. Stephan, an der großen antinationalsozialistischen Kundgebung vor und im Wiener Stephansdom, dem sogenannten "Rosenkranzfest", teilgenommen hatte. Später kam Ringel mit seiner Ansicht, dass Suizid eine Krankheit ist, mit jenen kirchlichen Autoritäten in Konflikt, die Suizid als Todsünde betrachteten und so aus dem Leben Geschiedenen eine Grabstätte auf katholischen Friedhöfen verweigerten. Die Änderung des Kirchengesetzes, womöglich u.a. auch von Ringel inspiriert, entspannte das Verhältnis, Ringels Buch "Religionsverlust durch religiöse Erziehung" sorgte jedoch erneut für Unruhe. Allem zum Trotz ist Erwin Ringel ein - mehr oder weniger - religiöser Mensch geblieben, verheiratet mit einer früheren Ordensfrau. "Es ist nie zu spät - immer ist Anfang", diesen Satz hat der katholische Theologe und Psychotherapeut Alfred Kirchmayr, Co-Autor des Buches "Religionsverlust durch religiöse Erziehung" im Ohr, wenn er an Erwin Ringel denkt, mit dem er 20 Jahre lang eng zusammengearbeitet hat. Maria Harmer hat anlässlich des 100. Geburtstages von Erwin Ringel nicht nur ihn, sondern auch die Ringel-Schülerin und Psychotherapeutin Dinah Marin-Surkes in ihrer Praxis besucht.

08.00 Uhr
Ö1 Journal um acht

08.10 Uhr
Ö1 heute

08.15 Uhr
Du holde Kunst

"Und führen Gespräche mit meinem Schweigen" - Marie Luise Stockinger liest Gedichte von Peter Huchel Von seinen ersten, 1924 veröffentlichten, bis zu seinen letzten Gedichten des 1979 erschienenen Bandes "Die neunte Stunde" verfasste Peter Huchel sprachliche Bildnisse, die ihr Material aus der Natur bezogen. Dennoch ist der 1903 in Berlin geborene Dichter nur bedingt ein Naturlyriker. Natur ist ihm "nicht die Welt, aber die selbstverständliche Umwelt; und was geschah, das geschah innerhalb ihrer und wurde, genau und ohne Schwärmerei beobachtet, Teil des Gedichtes, das sich der eigenen Person in ihrer Herkunft zu vergewissern sucht.", schreibt Peter Wapnewski im Nachwort eines Suhrkamp-Auswahlbandes; Natur sei "nicht Kulisse der Stimmung, sondern Materie der Entsprechung". Einflüsse von Gryphius, Hölderlin, Trakl und Brecht finden sich leichter in Huchels Dichtung als jene der Naturlyriker. Nicht nur formal verändern sich im Laufe der fünf Jahrzehnte seines Schaffens die anfangs in gebundener Sprache, später frei verfassten Gedichte, auch die Naturbilder in ihnen werden zusehends abstrahiert, von narrativen Elementen losgelöst. Zu hören sind Gedichte aus den Bänden "Die Sternenreuse", "Chausseen Chausseen", "Gezählte Tage" und "Die neunte Stunde". Gestaltung: Gudrun Hamböck und Stephanie Maderthaner

09.00 Uhr
Nachrichten

09.05 Uhr
Gedanken

Der Psychiater und Gerichtsgutachter Reinhard Haller über das quälende Bedürfnis, erlittenes Unrecht eigenhändig zu vergelten. Wem schmerzliches Unrecht widerfuhr, dem mahlen Gottes Mühlen oft zu langsam. Doch dass es in unserer Kulturgeschichte zumeist tragische Helden sind, die glauben, ihr Seelenheil in der Selbstjustiz suchen zu müssen, kommt nicht von ungefähr. Einen unbeschwerten, ausgeglichenen Lebensabend bescheren ihnen ihre Rachefeldzüge schlussendlich nur selten. Das Bedürfnis nach Rache ist ein menschlicher Drang, der in der Forensik zu den klassischen Tatmotiven zählt. Meist führt es zwar nur zu alltäglichen Boshaftigkeiten, bisweilen aber auch zu aufwändigen Verbrechen. Reinhard Haller kennt die quälende innere Stimme, die nach Revanche schreit und das vermeintliche oder tatsächliche Unrecht gesühnt sehen will. Er weiß aber auch, in welche Abgründe die Rachsucht führen kann. Denn die Bitterkeit des schlechten Gewissens hat oft ein sehr viel späteres Ablaufdatum als die Süße der Rache. Der Vorarlberger Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller (69) war bis 2017 Chefarzt einer auf Suchtkrankheiten spezialisierten Klinik und ist seither - weiterhin - als Gutachter, Berater, Autor und Vortragender tätig. Bekannt wurde er vor allem als - nicht immer unumstrittener - Gerichtsgutachter in aufsehenerregenden Kriminalfällen, wie jenen von Jack Unterweger, Franz Fuchs und NS-Euthanasie-Arzt Heinrich Gross. Neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten zu den Themen Sucht, Selbstmord und Kriminalpsychiatrie hat er auch mehrere erfolgreiche Sachbücher zu psychologischen Themen veröffentlicht. Sein jüngstes heißt "Rache - Gefangen zwischen Macht und Ohnmacht" und erscheint dieser Tage im Verlag Ecowin.

10.00 Uhr
Nachrichten

10.05 Uhr
Ambiente - von der Kunst des Reisens

Ambiete: Zwischen Seen und Bergspitzen - Wandernd durch das wasserreiche Salzkammergut Die zahlreichen Seen im Salzkammergut sind von einer imposanten Bergkulisse umgeben. Schon Kaiser Franz Joseph wusste dieses Landschaftspanorama zu schätzen. Seit 2017 verbindet der "Berge-Seen-Trail" die zahlreichen Wanderwege der Region zu einem 350 Kilometer langen Weitwanderweg. 20 Tagesetappen führen durch die Salzkammergut-Berge und durch das Tote Gebirge, vorbei an den zahlreichen großen und kleinen Seen des Salzkammerguts. Der historische Raddampfer Gisela am Traunsee oder gondelähnliche Plätten am Altausseer See erlauben die Region auch vom Wasser aus kennenzulernen. Der Attersee ist hingegen ein beliebtes Ziel für Taucherinnen und Taucher. Bei Steinbach am Ostufer befindet sich ein Unterwasserparcours mit Tauchkuppeln und Übungsplattformen. Gestaltung: Jakob Fessler Redaktion: Ursula Burkert

11.00 Uhr
Nachrichten

11.03 Uhr
Matinee

Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Dirigent: Sir Antonio Pappano; Jan Vogler, Violoncello. Sergej Rachmaninow: Die Toteninsel, Symphonische Dichtung op. 29 * Piotr Iljitsch Tschaikowsky: Variationen für Violoncello und Orchester über ein Rokoko-Thema A-Dur op. 33 *Jean Sibelius: a) Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 43; b) Zugabe: Valse triste op.44/1 (aufgenommen am 31. Mai 2015 im Großen Konzerthaussaal in Wien; "37. Internationales Musikfest der Wiener Konzerthausgesellschaft" in 5.1 Surround Sound)

11.50 Uhr
(in der Pause) Intermezzo - Künstlerinnen und Künstler im Gespräch

12.10 Uhr
Matinee

Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Dirigent: Sir Antonio Pappano (aufgenommen am 31. Mai 2015 im Großen Konzerthaussaal in Wien; "37. Internationales Musikfest der Wiener Konzerthausgesellschaft" in 5.1 Surround Sound)

12.56 Uhr
Ö1 heute

13.00 Uhr
Ö1 Sonntagsjournal

13.10 Uhr
gehört.gewusst. Das Ö1 Quiz

Drei Kandidatinnen und Kandidaten aus ganz Österreich lösen mit Bernhard Fellinger Rätsel aus den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft Dabei kann allwöchentlich ein Gutschein für den ORF-Shop im Wert von 150 Euro erspielt werden. Zur Auswahl stehen erlesene Hörbücher, Klassiker aus der Kabarett-Edition, Aufnahmen des ORF Radio-Symphonieorchesters, Raritäten aus der Edition "Alte Musik" u.v.m. Außerdem erhält jede Kandidatin, jeder Kandidat, die Ö1 Club-Mitgliedschaft, ein Jahresabo des Klassik-Streaming-Portals fidelio und eine Grafik aus der Ö1 Talentebörse. Die Besten der Besten spielen in der nächsten Superchampions-Runde am 27. Juni um eine Ö1 Kulturreise für zwei Personen nach Frankreich zu den Loire-Schlössern. Wenn Sie selber mitspielen wollen, melden Sie sich an unter: oe1.orf.at/quiz/anmeldung

14.00 Uhr
Nachrichten

14.05 Uhr
Menschenbilder

"Jazz it!" - Der Musiker, Arrangeur und Komponist Hans Salomon. Eine Erinnerung Er war ein stiller Star der heimischen Musikszene, von vielen als Jazz- Legende verehrt. Am 24. September 2020 verstarb der Saxofonist Hans Salomon. Ein "Menschenbild" in Erinnerung an den vielseitigen Musiker, kurz vor dem Ö1-Jazztag am 30. April. Der 1933 in Wien geborene Musiker begann seine Jazz-Aktivitäten 1945 bei Fatty George und bei der Johannes Fehring Band. 1954 wurde Hans Salomon gemeinsam mit Joe Zawinul zum Mitbegründer der "Austrian All Stars." Neben Konzerten mit Friedrich Gulda und dem Sextett von Erich Kleinschuster spielte er lange in der ORF Big Band. Für Gerhard Bronners Fernsehsendung 'Die große Glocke' schrieb er die Titelmelodie. Gerhard Bronner verfasste 1970 dazu den Text Wia a Glock'n, der - gesungen von Marianne Mendt - als Initialzündung für den Austropop und die österreichische "Dialektwelle" gilt. Hans Salomon war auch international als Musiker gefragt. Er spielte mit Louis Armstrong, Gerry Mulligan und Sidney Bechet und konnte mit Stars wie Ray Charles oder Ella Fitzgerald zusammenarbeiten. Er arrangierte Alben für Art Farmer, Stan Getz und viele andere Musiker. Das Porträt eines Ausnahme-Könners, der auch den musikalischen Dialog mit der jungen Musik-Szene nie scheute. Gestaltung: Heinz Janisch

14.55 Uhr
Schon gehört?

Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.

15.00 Uhr
Nachrichten

15.05 Uhr
Apropos Oper

Mit Michael Blees Das Wiener Staatsopernmagazin. Ausschnitte aus aktuellen Aufführungen der Wiener Staatsoper.

16.00 Uhr
Ex libris

Alltag und Struktur Sharon Dodua Otoo: Adas Raum, Roman, S. Fischer Verlag Olga Flor: Morituri, Roman, Jung Jung Verlag Marica Bodro?ic: Pantherzeit. Vom Innenmaß der Dinge, Otto Müller Verlag Eva Demski: Scheintod, Roman, Insel Verlag Daniel Wisser: Wir bleiben noch, Roman, Luchterhand Verlag

16.55 Uhr
Ö1 heute

17.00 Uhr
Ö1 Journal um fünf

17.10 Uhr
Spielräume Spezial

Alejo Garcia - Ein Pilgernder Singer-Songwriter aus Medellin Der kolumbianische Musiker Alejo García ist ein Reisender in Sachen musikalischer Vielfalt des amerikanischen Kontinents. Seit mehr als 20 Jahren bereist er die Amerikas, vorwiegend im Süden, auf der Suche nach lokalen musikalischen Traditionen, die er in einen Dialog mit seiner Musik bringt. Seine Lieder sind wie eine Sammlung klingender Postkarten der besuchten Orte. Der Reichtum der vielen in Mittel- und Südamerika aufeinander wirkenden Kulturen hat Alejo García schon in jungen Jahren inspiriert. In seinen ersten Alben erkundete er die musikalischen Traditionen Kolumbiens, in Vorbereitung eines ehrgeizigen Projektes: in einer Trilogie die Musik Südamerikas, der Karibik, Mittelamerikas und des angelsächsischen Amerikas in einen Dialog zu bringen. Das dritte Album der Reihe erscheint demnächst. Alejo García wurde in Kolumbien vielfach ausgezeichnet und eine seiner Aufnahmen war in der engeren Auswahl für den Latin Grammy. Gestaltung: Bernhard Eppensteiner

17.55 Uhr
rein-gehört

Der Ö1 Audioguide. Gestaltung: Bernhard Eppensteiner Ulrike Leitner

18.00 Uhr
Ö1 Abendjournal

18.15 Uhr
Moment am Sonntag

Der O.N-Sport. Eine noch nicht offiziell anerkannte Sportart im Trend der Zeit O. N.-Sport vereint alle Elemente erfolgreicher Sportarten. Dieser neue Sport besteht aus exquisiten Einzelleistungen und bedarf eines hohen Ausmaßes an Teamgeist. Eine Besonderheit ist es, dass beide Geschlechter daran teilnehmen müssen. Und sie ist geeignet für junge Menschen und fitte Seniorinnen und Senioren. Die Bezeichnung O. N.-Sport steht übrigens für eine Sportart "ohne Namen". Wahrscheinlich, weil diese Sportart sehr komplex ist, und - obwohl sie schon zahlreiche Fans hat - von Sportverbänden nicht offiziell anerkannt ist. Dynamik, Geschick, ausgefeilte Technik und eine ergänzende Kombination aus Jugend, Alter und Menschen mit Behinderung machen diesen Sport besonders attraktiv. Ein griffiger Name wird noch gesucht. Vielleicht bekommen Fußball, Tennis, Schwimmen, Skifahren oder andere beliebte Sportarten bald Konkurrenz. Sport ist Gesellschaftspolitik, O. N.-Sport ist die Antwort. Gestaltung: Alois Schörghuber

18.55 Uhr
Magazin des Glücks

Von und mit Franz Schuh

19.00 Uhr
Nachrichten

19.05 Uhr
Contra - Kabarett und Kleinkunst

Das Internet als Fakefabrik und Verschwörungsverdichter. Kabarettistische Kommentare vom Duo Radeschnig, Clemens Maria Schreiner, Thomas Pigor, Klaus Eckel, Rainald Grebe und anderen. Als sich das Internet vor noch nicht einmal 30 Jahren anschickte, unsere Gesellschaft und unser Kommunikationsverhalten einem nachhaltigen Wandel zu unterziehen, war damit auch die Hoffnung verknüpft, weltweit den Zugang zu Bildung und Wissenschaft zu demokratisieren. Die kulturelle Bedeutung dieses Katalysators der digitalen Revolution wird nicht umsonst mit der Erfindung des Buchdrucks gleichgesetzt. Doch Wahrheit und Wissen waren immer schon ein schmaler Grat. Ein abschüssiges und weites Feld sind indes Lüge, Unsinn, Verleumdung und Verschwörung. Immer öfter zeigt sich, wie leicht verheerende Desinformationslawinen entstehen können. Gezielt losgetreten oder fahrlässig ausgelöst. Erleben Sie u.a. Clemens Maria Schreiner als Dompteur dämonischer Datenkraken, Thomas Pigor als Grüßaugust der postfaktischen Welt, Christoph Lollo als Wegweiser durch den Verschwörungsdschungel, Klaus Eckel als Stammtischler in der Meinungsmeierei, das Duo Radeschnig als Irrläufer durch Echokammern und Rainald Grebe als Querschläger unter den Querdenkern.

19.30 Uhr
Ö1 Kunstsonntag: Überblick

19.34 Uhr
Ö1 Kunstsonntag: Radiosession

Gerald Preinfalk, Christoph Cech und Per Mathisen spielen Jimmy Giuffre "Wie eine neu entdeckte, alte Liebschaft, ein neu reparierter Oldtimer, fühlt es sich an, die Formation Giuffre Zone wieder ins Leben zu rufen. Wir sind reifer geworden und erfahrener. Es ist viel passiert, viel Musik passiert, als das letzte Mal Christoph Cech, Per Mathisen und ich uns der Musik Jimmy Giuffres hingaben", schreibt Klarinettist Gerald Preinfalk, der gemeinsam mit Pianist Christoph Cech und Bassist Per Mathisen den Spuren des legendären US-amerikanischen Saxofonisten, Klarinettisten und Komponisten folgt. Vor allem das schlagzeuglose Trio der frühen 1960er Jahre, in dessen Rahmen Giuffre an der Klarinette mit Pianist Paul Bley und Bassist Steve Swallow eine kammermusikalisch-filigrane Spielart freier Improvisation praktizierte, steht für die Musik von Giuffre Zone Modell. Am 26. April hätte der 2008 verstorbene Jimmy Giuffre seinen 100. Geburtstag gefeiert. Gestaltung: Helmut Jasbar

20.15 Uhr
Ö1 Kunstsonntag: Tonspuren

"!! Bekanntmachung !!". Über Woyzeck wird der Stab gebrochen. Feature von Stefan Weber "Nächst bevorstehenden Freytag, den 27sten August 1824, wird auf hiesigem Markte der zum Tode verurtheilte Delinquent, Johann Christian Woyzeck hingerichtet werden." - "Mögen alle mit dem festen Entschlusse von dieser schauerlichen Handlung zurückkehren: Besser zu seyn, damit es besser werde." (Flugblätter an die Bevölkerung) Es ist ein Großereignis. Nach 34 Jahren findet in Leipzig erstmals wieder eine Enthauptung statt. Der verelendete Perückenmacher Woyzeck hat 1821 seine Geliebte, die Chirurgenwitwe Woost mit einer abgebrochenen Degenklinge erstochen. Er wird kurz nach der Tat gefasst und ist sofort geständig. Sein Pflichtverteidiger plädiert auf Unzurechnungsfähigkeit und beantragt ein ärztliches Gutachten über den Geisteszustand des Angeklagten. Die Folge: Ein dreijähriger öffentlicher Gelehrtenstreit über Schuld, Psyche und Sühne im Zeitalter des Pauperismus. Der Amtsarzt Hofrath Dr. Clarus setzt sich endlich mit seinem (zweiten) Gutachten durch und besiegelt so die Todesstrafe. Die Urteile über diese Schrift sind zum Teil verheerend und lösen eine sozialhumanistische Debatte über Jahrzehnte aus. Auch Georg Büchner hat den Prozess verfolgt, er schreibt in seinem Dramenfragment "Woyzeck": "Der Mensch. Es ist viel möglich. Sehn sie, so einen schönen, festen grauen Himmel, man könnte Lust bekommen, einen Kloben hineinzuschlagen und sich daran zu hängen, nur wegen des Gedankenstrichels zwischen Ja - und Nein."

20.55 Uhr
Ö1 Kunstsonntag: Milestones

"Herb Ellis Meets Jimmy Giuffre" (1959) Auf den ersten Blick scheinen die beiden Protagonisten dieses Albums wenig gemeinsam zu haben: Der Klarinettist und Saxofonist Jimmy Giuffre, ein wichtiger Cool-Jazz-Musiker und ein Pionier der freien Improvisation, trifft auf den Gitarristen Herb Ellis. Dieser hat jahrelang mit Pianist Oscar Peterson zusammengearbeitet und gilt als Inbegriff des heißblütigen "Bluesman". Aber die beiden sind nicht nur Texaner aus Dallas (Giuffre) beziehungsweise einem Vorort von Dallas (Ellis), sie sind auch fast gleich alt: Der 2008 verstorbene Giuffre wäre am 26. April, der 2010 verstorbene Ellis am 4. August des heurigen Jahres 100 Jahre alt geworden. Anno 1959 veröffentlichen die beiden ein Album auf dem Label Verve Records. Herb Ellis ist der Hauptsolist, Giuffre spielt ausschließlich Saxofon und nur zwei kurze Soli. Aber er schreibt wunderbare Arrangements für ein Saxofonensemble, dem u. a. Art Pepper und Bud Shank angehören. Der "heiße" Herb trifft auf eine "coole" Band, in deren Rhythmusgruppe zudem Jim Hall Rhythmusgitarre spielt. Ein untypisches Album für Giuffre und Ellis, ein wenig bekanntes Juwel und gerade deshalb ein echter Meilenstein. Gestaltung: Klaus Wienerroither

21.40 Uhr
Ö1 Kunstsonntag: Neue Texte

Ö1 Kunstgeschichten: "Mit dem Herzen malen". Erika Kronabitter über ein Gemälde von Rosso Fiorentino. Es liest: Markus Meyer. Gestaltung: Kerstin Schütze. Redaktion: Edith-Ulla Gasser Er wurde "Rosso" genannt, nach seinen roten Haaren, und "Fiorentino" nach seiner Herkunft. Eigentlich hieß der Maler Giovan Battista di Jacopo di Gasparre. Geboren Ende des 15. Jahrhunderts in Florenz, gestorben 1540 in Paris, wird Rosso Fiorentino dem Manierismus zugerechnet. Erika Kronabitter ließ sich für ihre "Ö1 Kunstgeschichte" von Fiorentinos Gemälde "Thronende Madonna mit vier Heiligen" inspirieren. Rosso Fiorentinos kirchliche Auftraggeber sollen ursprünglich sehr irritiert gewesen sein von der Art, wie der Künstler in seinen Bildern die Heiligen darstellte. Kronabitter sucht in ihrer "Kunstgeschichte" ein mögliches persönliches Motiv für die Arbeitsweise dieses Malers der Spätrenaissance, der schon in jungen Jahren seine eigene "maniera" fand. Erika Kronabitter wurde 1959 in Hartberg in der Steiermark geboren, sie lebt in Wien und in Bregenz. Die Autorin von Prosa und Lyrik ist darüberhinaus als Konzeptkünstlerin, Dozentin und Workshopleiterin tätig.

22.00 Uhr
Nachrichten

22.05 Uhr
Heimspiel

22.10 Uhr
Ö1 Kunstsonntag: Jet Lag All Stars Radio Show

Gedankensprünge aus dem Musterbuch des Jetlags Dort, wo Heiliges und Alltag, Ekstase und To-do-Liste zusammentreffen, präsentieren die Jet Lag All Stars Musik, Gespräche, Reportagen und Essays vom äußersten Rand der Woche. Die Jet Lag All Star Radio Show ist die Bügelfalte des Kunstsonntags. Gestaltung: Robert Czepel, Rainer Elstner, Alexander Ach Schuh, Thomas Tesar, Elke Tschaikner, Christian Scheib und Klaus Wienerroither

22.54 Uhr
Ö1 Kunstsonntag: ZOOM->In

23.00 Uhr
Ö1 Kunstsonntag: Radiokunst - Kunstradio

"Im Vorzimmer der Notationen". Hörstücke von Studierenden des Instituts für Sprachkunst und des Sound Design Majors an der FH Joanneum Graz. Betreut von Orhan Kipcak und Astrid Drechsler werden gemeinsam neue kurze Radioarbeiten entwickelt. Ausgangspunkt ist ein Buchobjekt des Künstlers Emil Siemeister, das aus einem phänomenologischen Text des Philosophen Ferenc Jadi über Siemeister besteht, in das Emil Siemeisters seinerseits Aufzeichnungssysteme eingearbeitet hat (E. Siemeister lehnt aus verschiedenen Gründen die Bezeichnung "Grafik" ab). Der Titel dieser Publikation ist Ferenc Jade; "Iris und Pupilla".