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Geistliche Musik
Christoph Strauß Expectans expectavi Dominum Concerto Palatino Christoph Wolfgang Druckenmüller Konzert für Orgel solo A-Dur Manuel Tomadin, Arp Schnitger-Orgel, Zwolle Johann Sebastian Bach "Meine Seufzer, meine Tränen". Kantate für Soli, 2 Blockflöten, Oboe da caccia, 2 Violinen, Viola und Basso continuo am 2. Sonntag nach Epiphanias, BWV 13 Alia Mens Leitung: Olivier Spilmont Arvo Pärt Missa syllabica Ellen Hargis, Sopran Suzanne Elder, Alt Neal Rogers, Tenor Paul Hillier, Bariton Kronos Quartet
Am Sonntagmorgen
Religiöses Wort Auf der Suche nach der Schokoladenseite. Vom Sehen und vom Erkennen Von Arnim Töpel Evangelische Kirche
Essay und Diskurs
Der Kanon ist tot! Es lebe der Kanon! Von Peter Pohl Machtinstrument oder Maßstab für Qualität? - Der literarische Kanon bleibt umstritten. Dennoch ist die Debatte um Kanones unverzichtbar - als Spiegel gesellschaftlicher Werte, Werkzeug ästhetischer Kritik und Motor lebendiger Literaturvermittlung. Vielen gilt der literarische Kanon als überholt, als Manual der kulturellen Deutungshoheit der Gebildeten, als Instrument gesellschaftlicher Exklusion. Doch seine Abschaffung würde das Denken über Literatur um ein zentrales Reflexionsfeld bringen. Denn Kanones entstehen nicht nur durch ästhetische Urteile, sondern durch soziale Praktiken, Institutionen und historische Konstellationen - und sie bleiben darum veränderlich. Gerade diese Wandelbarkeit macht sie produktiv: Sie zeigen, wie Werte, Normen und Geschmacksurteile entstehen, wie sie sich verfestigen und wieder auflösen. In aktuellen Debatten - ob um Diversität, Schulcurricula oder neurechte Lesepolitiken - erweist sich der Kanon als Brennglas kulturpolitischer Konflikte. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung, die seine Mechanismen untersucht, anstatt ihn abzuschaffen, kann kritisches Urteilsvermögen schärfen und historische Sensibilität fördern. Das "Kanonproblem" ist damit keine Schwäche, sondern auch Voraussetzung lebendiger Literaturwissenschaft. Peter Pohl ist Literaturwissenschaftler und arbeitet als Senior Scientist an der Universität Innsbruck. Nach dem Studium der Germanistik und Kulturwissenschaft wurde er mit einer Arbeit zu Robert Musil an der Universität Bremen promoviert. Seine Habilitationsschrift Kreativitäts-Szenen. Der Bildungsroman und die Geschichte freier Zeiten ist 2025 bei Brill erschienen und open access erhältlich. Die Studie entfaltet das Potenzial kanonisierter Bildungsromane des 18. und 19. Jahrhunderts zur kritischen Reflexion der gegenwärtigen Kreativökonomie.
Gottesdienst
Übertragung aus der Stadtkirche St. Marien in Lügde Zelebrant: Pfarrer Stefan Schiller Katholische Kirche
Zwischentöne
Musik und Fragen zur Person Der frühere Grünen-Politiker Lukas Beckmann im Gespräch mit Marietta Schwarz Lukas Beckmann hat die Grünen mitgegründet, arbeitete unter anderem eng mit Joseph Beuys zusammen und war Sprecher der Partei. Heute berät er Stiftungen und Vereine und blickt auch schon mal mit Befremden auf die politische Kultur - auch seiner Partei. Wir müssen nicht nur fordern, sagt er, sondern erstmal die Wirklichkeit beschreiben, wie sie ist.
Rock et cetera
Der Leisetreter Editors-Frontmann Tom Smith auf Solo-Pfaden Von Marcel Anders Vom Indie-Rocker zum Singer-Songwriter: melancholisches Debüt des 44-jährigen Briten für lange Winternächte. Die letzten Alben der britischen Indie Rock-Band Editors flirteten mit harscher Electronica. Jetzt präsentiert sich Frontmann Tom Smith als klassischer Singer-Songwriter, als Gegenpol zur musikalischen Ausrichtung seiner Band - auch inhaltlich. Dabei setzt der 44-Jährige auf ruhige Akustik-Töne, die er mit Gitarre und Klavier, Trompete oder Streichern anschlägt. Die zehn Stücke seines Solo-Debüts "There is nothing in the dark that isn´t there in the light" drehen sich um erste Liebe, frühe Tour-Impressionen und die Geburten seiner beiden Söhne. Der Musiker aus der Nähe von Birmingham lässt hier die letzten Jahre Revue passieren und konstatiert mit Melancholie und unterschwelligem Bedauern, dass sich das Erlebte nie wiederholen wird. Sanftes und Leises mit Tiefgang - perfekt für lange Winternächte.
Forschung aktuell - KI verstehen
KI verstehen - Der Podcast über Künstliche Intelligenz im Alltag
Feature
Unsere Asche wird weiter brennen Lübeck und der tödlichste Brandanschlag der 1990er-Jahre Von Steffi Wassermann und Erika Harzer Regie: Beatrix Ackers Mit: Monika Oschek Ton und Technik: Michael Kube Dramaturgie: Katrin Moll und Julia Illmer Deutschlandfunk Kultur, 2025 Länge: ca. 54'40 Am 18. Januar 1996 starben sieben Kinder und drei Erwachsene bei einem Brandanschlag auf eine Unterkunft für Geflüchtete in Lübeck. Für die Tat wurde nie jemand verurteilt. Was bedeutet das 30 Jahre später für die Betroffenen und für die Stadt? Marie und Ray haben überlebt. Doch sie können die schrecklichen Bilder des Brandanschlags auf ihre Unterkunft für Geflüchtete nicht vergessen. Der 18. Januar 1996 hat ihr Leben für immer verändert. Und auch das von Adam, der damals seinen Onkel verlor. Bis heute ist unklar, wer für die Tat verantwortlich ist. Den Indizien, die auf einen rechten Anschlag hinweisen, wurde kaum nachgegangen. Die Stadt kümmert sich wenig um das Gedenken an die Opfer des zehnfachen Mords. Wie kann es sein, dass der tödlichste Anschlag der 1990er-Jahre in Vergessenheit zu geraten droht? Warum wäre die Aufklärung dieses Falls auch angesichts steigender Zahlen rechter Gewalt wichtig? Und gibt es überhaupt noch eine Chance auf Gerechtigkeit? Steffi Wassermann arbeitet im Menschenrechtsbereich und als freie Autorin mit einem Fokus auf Radio und Podcast. Zu ihren Themenschwerpunkten gehören Dekolonisierung, Aktivismus und Antirassismus. Erika Harzer, Ausbildung zur Diplom-Sozialpädagogin. Autorin und Regisseurin zahlreicher Radiofeatures, Dokumentarfilme und Printreportagen. Ihr Feature "Wenn Kinder nur noch weg wollen" (BR/Dlf/WDR 2015) wurde mit dem Peter Scholl-Latour Preis 2016 und dem Medienpreis 2016 der Kindernothilfe ausgezeichnet.
Konzertdokument der Woche
Kammermusikfest Spannungen 2025 Leos Janácek Concertino für Klavier, 2 Violinen, Viola, Klarinette, Horn und Fagott Donghoon Shin "Winter Sonata" für Violine und Klavier (UA) Iannis Xenakis "Kottos" für Violoncello solo Ludwig van Beethoven Quartett für 2 Violinen, Viola und Violoncello a-Moll, op. 132 Leif Ove Andsnes, Klavier Zoltán Fejérvári, Klavier Sharon Kam, Klarinette Pablo Neva Collazo, Horn Rie Koyama, Fagott Antje Weithaas, Violine Christian Tetzlaff, Violine Gustav Rivinius, Violoncello u.a. Aufnahme vom 20.6.2025 aus dem Kraftwerk Heimbach Am Mikrofon: Sylvia Systermans Ein Igel, der vergeblich in seinen Bau gelangen will, ein Eichhörnchen, das in einem Käfig um sich selbst kreist: In seinem Concertino erinnert Leos Janácek an frühe Begegnungen mit Tieren. Der diesjährige Composer in residence von Spannungen, Donghoon Shin, schrieb seine Winter-Sonate in der dunklen Jahreszeit. Aber auch die bedrohliche Weltlage spiegelt sich im Auftragswerk für Violine und Klavier des koreanischen Komponisten. Heroische Gesten und die Tonart c-Moll huldigen seinem Vorbild Beethoven. Die tröstende Botschaft im apotheotischen Finale: Bedrohung und Schmerz können bewältigt werden. Iannis Xenakis verarbeitete in "Kottos" erlebten Kriegsschrecken, etwa wenn das Violoncello mit manischen Glissandi Tiefflieger und Bombenhagel hörbar macht. Von Trost und Dankbarkeit handelt schließlich das späte Streichquartett a-Moll op.132 von Ludwig van Beethoven.

