Podcasts jederzeit kostenlos hören

Radio-Podcasts

11.04.26 17:04 Uhr SWR2 SWR2 Zeitgenossen

Ilija Matusko: „Arbeitsgerüche sind Marker dafür, wo man herkommt“

Der Geruch von Pommes zieht sich durch Ilija Matuskos Kindheit: Seine Eltern betrieben eine Gastwirtschaft in Bayern. Der Vater in der Küche, die Mutter im Service, kein Ruhetag. Schon als Kind wusste Ilija Matusko, wie man Pommes knusprig frittiert. Doch den Geruch des Frittierfetts haftete an ihm, auch in der Schule. Der Pommes-Genuss wich der Klassenscham. Wie er sich seiner Herkunft wieder wohlwollend annähern konnte und warum er lieber von Klassenwechsel als von Aufstieg spricht, darüber schreibt Ilija Matusko in seinem Buch „Verdunstung in der Randzone“.

Hören

06.04.26 17:04 Uhr SWR2 SWR2 Zeitgenossen

Anja Casser: „Ich möchte Künstlerinnen neu entdecken“

Seit 2008 leitet Anja Casser den Badischen Kunstverein in Karlsruhe und macht dort ein Ausstellungsprogramm, das es in dieser Form nur dort gibt: Seit fast 20 Jahren zeigt sie fast nur Werke von Künstlerinnen. Mal aus der feministischen Avantgarde, mal aus der Gegenwart. Von Lubaina Himid, die als erste Schwarze Künstlerin den Turner-Prize gewann, bis Nancy Holt und Zofia Kulik. Aktuell sind im zweitältesten Kunstverein Deutschlands Arbeiten von Anna Barham zu sehen, die sich unter anderem mit der Fehleranfälligkeit von KI-Spracherkennung beschäftigen – Contemporary since 1818. Öffentliche Veranstaltung bei der art Karlsruhe am 07.02.2026

Hören

04.04.26 17:04 Uhr SWR2 SWR2 Zeitgenossen

Christian Baudisch: „Ich will wissen, woher das Fleisch kommt“

Endlich wieder Lamm? Oder Hase! An Ostern endet die christliche Fastenzeit. Alles Fleischhaltige muss nach diesem Verständnis nicht länger in Teigtaschen versteckt werden, wie in schwäbischen „Herrgottsbscheißerle“, sondern darf wieder als realer Braten serviert werden. Fleisch ist mein Gemüse – ja, wirklich? Der Fleischkonsum geht seit Jahren zurück, fleischlose, klimaschonende Ernährung ist populär. Andere reagieren mit tierischer Komplettverwertung – nose to tail. Christian Baudisch leitet das Deutsche Fleischermuseum Böblingen und weiß, dass es gerade um die Wurst geht.

Hören

03.04.26 17:04 Uhr SWR2 SWR2 Zeitgenossen

Michael Triegel: „Wir dürfen das Abendland nicht den Brandstiftern überlassen“

„Sie sind also jetzt mein Raphael“. Sagte Papst Benedikt XVI., als er Michael Triegel begegnete, bevor dieser ihn 2010 porträtierte. Der Leipziger Maler war schon damals der wichtigste Künstler in Deutschland, der religiöse Motive in altmeisterlicher Manier darstellt. Und christliche Themen dabei neu interpretiert, oft mit drastischer Symbolik. Etwa wenn er Jesus beim Abendmahl gesichtslos zeigt – vereinsamt und verlassen. Oder das Lamm Gottes als gehäutete Kreatur. Fast immer malt er im Glauben auch den Zweifel. Bewusst in der Tradition des Abendlandes. 2014 ließ er sich katholisch taufen.

Hören

28.03.26 17:04 Uhr SWR2 SWR2 Zeitgenossen

Andreas Speit: „Der liberalen Demokratie fehlen die Narrative gegen rechts“

„Der rechte Rand“ heißt seit 20 Jahren die regelmäßige Kolumne des Journalisten Andreas Speit. Dieser Rand hat sich in den letzten Jahren offenbar verbreitert. Und beschränkt sich längst nicht mehr auf gewaltbereite Neo-Nazis, wie in den 2000ern. Oder auf „Nazis in Nadelstreifen“. Deshalb recherchiert Andreas Speit inzwischen auch zu „rechten Ökos“ und „gefährlichen Weltbildern in alternativen Milieus“: wie „antimoderne Reflexe breite Schichten der Gesellschaft erfassen“, rechtes Denken das Bürgertum entkultiviere und die Demokratie gefährde. Was wir erleben, sei eine „autoritäre Rebellion“.

Hören

21.03.26 17:04 Uhr SWR2 SWR2 Zeitgenossen

Maria-Sibylla Lotter: „Wir sollten uns von der Opferrolle lösen“

Was macht aus Menschen moralische Personen? Es sind die ganz großen Themen, mit denen die Philosophin Maria-Sibylla Lotter sich beschäftigt. Die Grundlagen der Moral zum Beispiel. Wie man verantwortungsvoll handelt. Oder sie schreibt über die Praxis von Vergeltung und Versöhnung. Dann geht es um Respekt und warum man zwischen der politischen Bedeutung von Schuldbekenntnissen und den moralischen Aspekten von Schuld unterscheiden sollte. In ihrem neuen Buch fragt sie, was es bedeutet, Verletzungen zu erfahren, die Opferrolle zu erleben und dann Schwäche zu zeigen: Verwundbarkeit als Selbstbild.

Hören

14.03.26 17:04 Uhr SWR2 SWR2 Zeitgenossen

Lukas Rietzschel: „Polarisiert sind immer nur die anderen“

Sanditz heißt das neue Gesellschaftslabor von Lukas Rietzschel – ein Ort im Osten. Immer noch eine Nachwendegesellschaft, wie schon in seinem Roman „Raumfahrer“ und im Theaterstück „Widerstand“: wo Offiziere, Frührentner, Orgelbauer, ehemalige Bürgerrechtler, selbsternannte Widerständler, Lokaljournalistinnen sowie die Familie Wenzel Alltag, Werte und Zugehörigkeit aushandeln. Warum schließen sich an Orten wie Sanditz so viele den Rechten an: deutschnational, xenophob und zunehmend demokratiefeindlich? Ein reines Ost-Thema ist das für den Autor Lukas Rietzschel nicht.

Hören

28.02.26 17:04 Uhr SWR2 SWR2 Zeitgenossen

İlker Çatak: „‘Gelbe Briefe‘ ist der Film, wo ich am politischsten werde“

Was kommt zuerst: das Überleben oder die Moral? „Gelbe Briefe“ heißt der neue Film von İlker Çatak, für den er mit dem Goldenen Bären der Berlinale 2026 ausgezeichnet wurde. Die Frage steht im Mittelpunkt des Films: Ein Künstlerpaar wird von einem Willkürstaat angeklagt, verliert Job und Wohnung, steht vor dem finanziellen Ruin und muss sich entscheiden. Die Geschichte spielt in der Türkei, gedreht wurde in Deutschland. „Wir tun so, als wenn Istanbul in Hamburg stattfindet und Ankara in Berlin“. İlker Çatak wurde in Berlin geboren, machte Abitur in Istanbul und studierte in Hamburg und Berlin.

Hören

22.02.26 17:58 Uhr SWR2 SWR2 Zeitgenossen

Pascale Hugues: „Wir müssen den Feminismus leben“

Familiengeschichte als Frauengeschichte. Und als deutsch-französische Geschichte. Die eine Großmutter Deutsche, die andere Französin. Die Deutsche heiratet einen Franzosen, die Französin einen Deutschen. Beide Frauen sind ein Leben lang eng befreundet. Pascale Hugues ist die Enkelin von Marthe und Mathilde, geboren 1959, Elsässerin. Seit vielen Jahren lebt sie als Journalistin für französische Medien in Berlin, schrieb „Deutschland à la française“ und jetzt ein Buch über ihre Mutter, die als Elsässerin dreimal die Sprache und die Nationalität wechselte – und unter einer bipolaren Störung litt.

Hören

21.02.26 17:04 Uhr SWR2 SWR2 Zeitgenossen

Marjana Gaponenko: „Es geht ein Riss durch die Welt und der verläuft in der Ukraine“

„Ich wollte nicht wahrhaben, dass die Welt jederzeit auseinanderbrechen kann“, sagt die ukrainische Schriftstellerin Marjana Gaponenko vier Jahre nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die gesamte Ukraine. Die Zäsur im Frühjahr 2022 war für sie „der Abschied von einer Welt von gestern“. Wann geht dieser Krieg zu Ende? „Wenn der letzte Russe eingesehen hat, dass es ein Fehler war. Alle Reparationen bezahlt sind. Und der symbolische Kniefall vor seinem sogenannten kleineren Bruder Ukraine stattgefunden hat“. Marjana Gaponenko lebt seit vielen Jahren in Mainz. Sie schreibt auf Deutsch.

Hören