Jürgen Schebera ist einer der großen Weill-Kenner unserer Zeit. Seine Liebe zu dessen Musik entdeckte er in den 1960er Jahren über alte Schellackplatten. Mit Weills Witwe Lotte Lenya führte er einen regen Briefwechsel. Für seine Weill-Biografie recherchierte er in den 80er Jahren als "Ossi" in New York. Kurt Weill, ist für ihn viel mehr als nur die "Dreigroschenoper". Jürgen Schebera hat seine persönlichen Lieblingsaufnahmen mit der Musik des Komponisten mitgebracht, dessen Weg von Berlin bis zum Broadway führte.
Der Mensch ist im Kern gut, sagen die einen. Die anderen meinen, er sei von Grund auf böse. Was sagt der christliche Glaube dazu? Zwischen Bibel und Gegenwart fragt Autor Stephan Krebs, ob Vertrauen realistisch oder riskant ist.
Wenn Sie noch nicht ganz in 2026 angekommen sind, trifft sich das gut: Auch an der Hörbar schauen wir nochmal kurz zurück und präsentieren eine kleine Nachlese schöner Veröffentlichungen aus dem letzten Jahr: Bon Iver, Anne Paceo, Songhoy Blues und mehr.
2025 war zum Beispiel ein tolles Jahr für den Blues: mit dem gemeinsamen Album von Taj Mahal und Keb‘ Mo‘. Das in Belgien beheimatete Trio Peixe e Limão brachte paneuropäisch polyglotten Wind in den Global Pop. Songhoy Blues aus Bamako haben auf ihrem jüngsten Album "Héritage" ihr Verständnis von Tradition nochmal überdacht. Das Ergebnis war: weniger Wüstenrock, mehr zarte Akustik. Für die französische Schlagzeugerin Anne Paceo war es indes ein Jahr des Schwebens und Tauchens im Sound, nachzuhören auf ihrem aktuellen Album "Atlantis".
"Schawumm!“ - das ist der Sound, den Ringsgwandl hört, wenn gestresste Paketzusteller die Türen ihrer Transporter zuschieben. Er beobachtet diese Helden des Alltags mit solidarischer Sympathie, so wie er die Welt überhaupt mit wachem Auge beobachtet.
Vieles fasst ihn an, vieles bringt ihn zum Nachdenken und Songs schreiben. Es gibt schöne und traurige Liebeslieder auf "Schawumm!“, und oft meint man, da hält Ringsgwandl nochmal innige Zwiesprache mit seiner verstorbenen Frau. Er ist gleich dreierlei, auf dieser Platte - der raubeinige Bluesmusiker, der auf bayerisch Sprüche raushaut, der Seismograph, der die Gesellschaft aufs Korn nimmt - und der 77jährige ältere Herr voller Melancholie. Trotzdem: es klingt frisch, was er da mit seiner langjährigen Band auf einem Dachboden überm Staffelsee eingespielt hat.
Mit 15 Jahren kommt die 1988 in Lubumbashi geborene Nadège Kusanika nach Deutschland. Hier wundert sie sich, dass Raupen nicht auf dem Speiseplan stehen und lieber ungekochtes Gemüse namens Salat verzehrt wird. Doch im Laufe der Zeit lernt sie mit beiden Kulturen umzugehen und ist froh, dass sie sich nicht mehr zwischen Fufu und Bratwurst unterscheiden muss, sondern dass beides zu ihr gehört.
Wenn die Klimaanwältin Roda Verheyen vor Gericht verliert, dann kann das für sie eine "erfolgreiche Niederlage" sein. Der Landwirt, ihr Mandant aus Peru, hat nach 10 Jahren Verhandlung vom Energieversorger RWE keine Zahlung zum Schutz seines Hofes vor dem bedrohlich gefüllten Gletschersee erhalten. Aber das Gericht hat eingeräumt, dass Emissionen hierzulande eine Auswirkung auch in Peru haben können.
(Wdh. vom 02.09.2025)
Meron Mendel, Saba-Nur Cheema, Sina Arnold (Hg.): Frenemies. Antisemitismus, Rassismus und ihre Kritiker*innen. | Verbrecher Verlag 2025 | Preis: 20 Euro
Wie schön wäre es, wenn wir anstandslos das tun würden, was eigentlich gut
für uns wäre, was wir immer schon in Angriff nehmen wollten oder sollten.
Doch lieber schieben wir unsere Pläne auf die lange Bank. Disziplin genießt
bei uns seit langem kein großes Ansehen. Zu stark haftet ihr das Stigma von
Abrichtung und Drill an. Doch wie es schon bei Marc Aurel heißt: Der Mensch
muss von innen mit Säulen und Bögen gestützt sein, sonst zerfällt der
"Tempel" zu Staub. Das Feature wirft einen Blick auf die alte, aber nicht
veraltete Tugend.