Kit Armstrong ist Pianist, Organist und Komponist - und auch studierter Mathematiker. Er spricht mehrere Sprachen fließend und begeistert sich für Logiken und Künstliche Intelligenz. Warum ihn Musik berührt, ist ein Rätsel, das ihn beschäftigt. Mit Anfang 20 hat er in Frankreich eine Kirche gekauft und sie zu einem Kulturzentrum umgebaut. Manchmal lebt er dort, obwohl die Welt der Musik sein Zuhause ist: "Mein Zuhause ist zwischen dem Konzertsaal und dem Flugzeug - und das ist auch schön so."
Moderation: Karmen Mikovic Gerade hat er das 42. Passauer Scharfrichterbeil bekommen, schon ist er mit einem neuen Album am Start: Maxi Pongratz, geboren 1987 in Oberammergau, präsentiert auf "rum und num" mit viel bajuvarischem Charme kurze pointierte Schmankerl mit Hintersinn.
Macht der Musik 13 der kraftvollste Jazz war immer Widerstand (W) Eindringlich beklagt Billie Holiday in «Strange Fruit» die Lynchjustiz. Als sie mit 44 stirbt, von der Drogenfahndung ans Bett gekettet, lebt «Strange Fruit» weiter. Der Song steht am Anfang einer ganzen Playlist von Stücken, die bis heute für den kraftvollsten Jazz steht: den Jazz des Widerstands. Peter Kemper hat die Geschichte der politischen Ästhetik des Jazz kürzlich aufgearbeitet. Er ist zu Gast in der Passage, und zu Wort kommt u.a. auch Matana Roberts: Mit dem mehrteiligen «Coin-Coin»-Projekt ist die non-binäre Saxophonist:in eine der heutigen Erb:innen von Billie Holiday und deren Kampf für mehr Rechte und Gerechtigkeit. Erstsendung: 26.4.2024
Solidarisch preppen Wie man Nachbarn zu Katastrophenhelfern macht Von Fritz Tietz Regie: Philine Velhagen Produktion: Deutschlandfunk 2024 Die Klimakatastrophe ist nicht mehr zu vermeiden, davon ist Fritz Tietz überzeugt. Aber er weigert sich, die Hoffnung aufzugeben. Die Idee vom solidarischen Preppen hat ihn überzeugt. Jetzt müssen nur noch seine Nachbarn mitziehen. Fritz Tietz hat beschlossen, sich gegen künftige Notlagen wie schwere Überschwemmungen, mehrtägige Stromausfälle oder kriegerische Auseinandersetzungen zu wappnen. Aber das Brot backen ohne Strom und Häuserwände abdichten und Vorräte einlagern will er nicht alleine üben, sondern er will das mit seinen Nachbarn gemeinsam tun. Solidarisch Preppen nennen Klimaaktivisten diese Strategie der gemeinschaftlichen Kollapsvorsorge. Problem nur: Tietz hat den Kontakt zu den Nachbarn in seiner ländlichen Gemeinde bisher eher gemieden. Wie bringt er sie nun dazu, mit ihm regelmäßige Notstandsübungen abzuhalten und dabei notfalls auch unter einen mit Decken abgehängten Tisch zu kriechen, um so schon mal trainiert zu haben, wie man im gemeinsamen Wärmemief einen winterlichen Heizungsausfall überlebt? Archiv Solidarisch preppen
The Zac Schulze Gang (GB) Aufnahme vom 10.9.2025 aus der "Harmonie" Bonn Am Mikrofon: Tim Schauen Punkrock-Blues von der Insel: The Zac Schulze Gang hat soeben ihr Momentum. Und es wird anhalten. Gibt es Blues-Punkrock? Ja, denn es gibt The Zac Schulze Gang, und die Musik dieses infernalisch loslegenden Trios aus Gillingham im Südosten des Vereinigten Königreichs verdient genau diese Zuschreibung: Blues-Punkrock. Zuerst, weil Namensgeber, Sänger und Gitarrist Zac Schulze seinen Gesang derart energisch bis wütend herauspressen kann - und seine Fender Stratocaster eher mit haut als sie anzuschlagen. Doch auch, weil Bassist Ant Greenwell und Schlagzeuger Ben Schulze, Zacs Bruder, mit entsprechender Energie und Attitüde reinhauen. Doch es geht eben nicht um Zuschreibung, sondern um"s Erleben. In den drei Jahren zwischen Bandgründung 2020 und dem Debüt-Album "Made of three" 2023 hatte sich die Dreier-Bande längst den Ruf einer herausragenden Live-Band erspielt - international gastierend, mit Preisen ausgezeichnet, in kleinen Clubs und größeren Hallen verbrannte Luft und euphorische Menschen hinterlassend.
Expansions Der Keyboarder und Komponist Lonnie Liston Smith Am Mikrofon: Niklas Wandt Schlüsselwerke eines Pioniers des Jazzfunk der 1970er-Jahre, der im Dezember 85 Jahre alt geworden ist. Bekannt wurde er Ende der 1960er-Jahre als musikalischer Leiter der Bands des Saxofonisten Pharoah Sanders, dessen Feueratem Smith in wunderbar luftige Grooves einzubetten verstand. Mit seinen "Cosmic Echoes" wurde es noch einmal deutlich mehr funky. Diese Musik ist seit den späten 1980er-Jahren bis heute auf dem Dancefloor und auch als Samplequelle noch einmal intensiv rezipiert worden. Vor allem das Album "Expansions" aus dem Jahr 1975: treibender, aber auch ätherischer Jazzfunk, getragen vom perlenden Sound des Fender Rhodes E-Pianos, das Smith erstmals 1971 auf seinem letzten Album mit Pharoah Sanders, "Thembi", eingesetzt hat. 1978 ist schließlich "Exotic Mysteries" entstanden, unter anderem mit dem späteren Starbassisten Marcus Miller. Auf diesem üppig arrangierten Album samt Streichern trifft Jazzimprovisation auf die geraden Beats der damaligen Discowelle.
Zu Gast: Kent Nagano, Dirigent Moderation: Christiane Hillebrand Aufgewachsen ist der Amerikaner mit japanischen Wurzeln in Kalifornien auf einer Farm, ohne Fernsehen, Kino und Stereoanlage. Stattdessen gab es ein Klavier. Und darauf wurde Hausmusik gemacht. Dies hat Nagano bis heute nachhaltig geprägt.
Jazz auf Reisen Der Drummer mit dem Sinn für andere Klänge: Die Band des Schlagzeugers Jens Düppe beim 15. Birdland Radio Jazz Festival in Neuburg an der Donau Mit Francesco Bearzatti (Tenorsaxofon), Frederik Köster (Trompete), Christian Ramond (Bass), Lars Duppler (Klavier) und Jens Düppe (Schlagzeug) Aufnahme vom 14. November 2025, Birdland Neuburg Moderation und Auswahl: Ulrich Habersetzer
Im Bann der Wildnis Eine Lange Nacht über Jack London Von Christian Blees Regie: Klaus M. Klingsporn (Wdh. v. 26./27.11.2016) "Ich kann Hungern nicht vertragen", soll Jack London (1876-1916) einmal gesagt haben. Dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden, später weltberühmten Autor ("Der Seewolf") blieb daher zunächst nichts anderes übrig, als sich bereits in jungen Jahren in allen möglichen Berufen zu verdingen - unter anderem als Zeitungsjunge, Arbeiter in einer Konservenfabrik oder Matrose auf einem Robbenfänger. Diverse Versuche, parallel dazu eine Karriere als Autor zu starten, scheiterten zunächst eher kläglich. Erst 1903 gelang London mit "Der Ruf der Wildnis" der Durchbruch als Schriftsteller. Dieser und nachfolgende Romane ermöglichten es ihm zwar unter anderem, auf einer eigenen Yacht ausgedehnte Seereisen zu unternehmen. Dennoch hatte London aufgrund diverser geschäftlicher Fehlentscheidungen bis zum Ende seines Lebens immer wieder mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Aus Anlass seines 150. Geburtstages am 12. Januar erinnert die Lange Nacht an einen Autor, in dessen Werk Ideen von sozialistischer Gemeinschaft und von individuellem Heldentum eine besondere, für die Zeit gar nicht so untypische Verbindung eingehen.