Moderation: Katja Bigalke Frankreichs RN-Labor Die Normalisierung der Rechten in Frejus Von Clara Hellner Fréjus an der Côte d"Azur gehört zu den ersten Kommunen, in denen der rechtspopulistische Rassemblement National seit 2014 dauerhaft die Stadtverwaltung kontrolliert. Bürgermeister David Rachline, damals erst 26 Jahre alt, machte die Mittelmeerstadt früh zu einem politischen Vorzeigeprojekt seiner Partei. Die Strategie dahinter: Wenn kommunale Macht ohne sichtbare Brüche funktioniert, wirkt die Bewegung weniger radikal und eher wie eine mögliche Regierungsalternative. Vor Ort berichten Kritiker jedoch von einer spürbar härteren politischen Atmosphäre, in der Opposition und zivilgesellschaftliche Initiativen stärker unter Druck geraten. Gleichzeitig sagen viele Bewohner, ihr Alltag habe sich kaum verändert - Geschäfte, Schulen und Tourismusbetrieb laufen weiter wie zuvor. Diese Gleichzeitigkeit von politischer Polarisierung und alltäglicher Normalität macht die Stadt zu einem Testfeld für eine mögliche Ausweitung rechtspopulistischer nach den kommenden Kommunalwahlen.
Darwin auf Speed Biologische Evolution wie im Zeitraffer Von Michael Lange Der Mensch beschleunigt die Evolution. Biologen beobachten, wie sich Tierarten innerhalb kurzer Zeit deutlich verändern. Charles Darwin war überzeugt: Die Evolution der Arten ist ein sehr langsamer, stetiger Prozess. Es dauert Jahrtausende und manchmal Millionen Jahre, bis kleinste Mutationen im Erbgut das Aussehen oder einzelne Merkmale einer Art sichtbar verändern. Doch in diesem Fall irrte Darwin. In den letzten Jahren finden Biologen immer mehr Beispiele für beschleunigte Evolutionsprozesse. Kröten laufen schneller, Braunbären und Füchse werden friedlicher, Schmetterlinge verändern ihre Farben und Fische werden kleiner, manchmal innerhalb weniger Jahre. Oft ist der Mensch dafür verantwortlich - oder es sind invasive Arten, die mit seiner Hilfe neue Lebensräume erobern. Im Erbmaterial der Tiere suchen Molekulargenetiker nach den Ursachen. Ist die beschleunigte Evolution ein neues, menschgemachtes Phänomen? Oder handelt es sich um ein bisher unbekanntes Rezept der biologischen Anpassung?
Mit Jagoda Marinic Angela Merkel - Wer ist das Volk? Übernahme von: Hessischer Rundfunk Angela Merkel blickt in ihrem ersten Interview in 2026 auf ein entscheidendes Wahljahr. Die ehemalige Bundeskanzlerin will, dass jetzt alle demokratischen Kräfte zusammenstehen gegen rechts. Und damit meint sie ganz entschieden alle, die zu Deutschland gehören, egal ob seit kurzem oder seit Generationen. Angela Merkel steht zu ihrem Handeln in der Flüchtlingskrise 2015 und dem Umgang mit dem russischen Präsidenten Putin. Gleichzeitig räumt sie ein, dass sie in ihrer Amtszeit für mehr militärische Stärke in Europa und für mehr Klimaschutz in der Welt hätte sorgen müssen. Aber sie bleibt dabei, dass es immer besser ist, einen Kompromiss zu finden, als auf den Tisch zu hauen. Für Freiheit Deluxe haben sich Angela Merkel und Jagoda Marinic im ARD-Hauptstadtstudio getroffen. Es geht um einsame Momente als Bundeskanzlerin und persönliche Lernprozesse. Darum, wie man Rechtspopulisten bekämpft und warum Angela Merkel definitiv nicht Bundespräsidentin wird.
Mundart-Briefkasten: Warum «putzt» uns der Strom eins? Diese Fragen werden in dieser Sendung beantwortet: · «Es het mer eis putzt.»: Was hat ein Stromschlag mit «putzen» zu tun? · Warum kann berndeutsch «süngge» sowohl "schmerzen" als auch "gurgelnd schmatzen, von Schuhen im Schlamm" bedeuten? Und was hat das alles mit "brennen" zu tun? · Welche schweizerdeutschen Varianten gibt es für das Wort «Klugscheisser»? · Sind schweizerdeutsch «Ramsele» u.ä. und englisch «Ramson» für den Bärlauch tatsächlich verwandt? · Hat der Bach «Biberze» seinen Namen tatsächlich von Bibern? · Warum heissen der Thurgauer Weiler «Uerenbohl» und das Haus «zum wiisse Güggel» so wie sie heissen? · Was steckt im Flurnamen «Germatt»? · Und was verrät der Familienname «Leber» bzw. «Läber» über den ersten Träger dieses Namens? Zum Schluss der Sendung stellen wir Ihnen das neue Album der «Mundart-Folk-Rock-Polka-Countryband für Kinder und Eltern» Marius und die Jagdkapelle vor.
Neue Musik aus Kanada Von Friedemann Dupelius Im nördlichen Windschatten der USA hat sich über die Jahrzehnte in Kanada eine ganz eigene Szene für zeitgenössische Musik gebildet. Der Sound zwischen Montréal und Vancouver ist so vielfältig wie die Landschaft - und womöglich trägt auch die Weite des Landes zu einem breiten künstlerischen Horizont bei. Ensembles wie das Quatuor Bozzini oder No Hay Banda pflegen und erweitern ein Repertoire, zu dem Komponist*innen wie Rudolf Komorous, Christopher Butterfield, Cassandra Miller, Linda Catlin Smith oder Martin Arnold maßgeblich beitragen.
Moderation: Eva Garthe Die Sängerin Lisa Bassenge Früher kannte man sie als Sängerin der Bands Nylon und Micatone, und damit als Vorreiterin des NuJazz in Deutschland. Mittlerweile hat Lisa Bassenge ein festes Trio mit dem schwedischen Pianisten Jacob Karlzon und dem dänischen Bassisten Andreas Lang, ihrem Ehemann. Mit ihnen hat die Berliner Künstlerin bereits drei Alben aufgenommen, das vierte erscheint dieser Tage und heißt "Two Whole Summers - Half A Life". Darauf setzt sie sich mit dem überaus subjektiven, gar widersprüchlichen Zeitempfinden auseinander, das gerade junge und ältere Menschen oft unterscheidet. Aus ihrer Liebe zu Popsongs hat Lisa Bassenge nie einen Hehl gemacht. Und auch auf dem neuen Album interpretiert sie wieder ausgewählte Stücke von meisterhaften Songwriter*innen wie Hank Williams, Elliott Smith und Björk. Eva Garthe hat im Vorfeld der Veröffentlichung mit Lisa Bassenge gesprochen.
The Revolution Will Be Injected Von Tucké Royale, Orlando de Boeykens und Camille O (f.k.a. Hans Unstern) Regie und Komposition: Tucké Royale, Orlando de Boeykens und Camille O Künstlerische Mitarbeit: Yayla Höpfl Ton und Technik: Martin Eichberg und Christoph Richter Ton der Liveaufnahmen: Volker Greve und Jaike Stambach Im Auftrag von Deutschlandfunk Kultur 2020 Länge: 51"26 Tucké Royale, Orlando de Boeykens und Camille O verhandeln in ihrer Text- und Soundmontage Liebe, Körper in Um- und Aufbruch, freundschaftliche Verbundenheit und gefährliches Wissen über die westliche Ordnung. "Hear my voice, here you are, hear me out The day I quit being your tomboy I was grateful you raised me as a feminist Now be my rebel parent and preach my tranifest Coming out as herosexual" Die selbstbestimmte Injektion von Testosteron wirft eine ganze Reihe politischer Fragen auf. Sie vermag Konzepte von Geschlechtern in Theorie und Praxis tiefgreifend zu erschüttern, in neue Koordinatensysteme zu überführen und an gesellschaftlichen Machtverhältnissen zu rütteln. Ein Hörspiel mit eigenen Texten und Songs der Autor:innen sowie Packungsbeilagen einschlägiger Arzneimittel. Außerdem mit Ausschnitten aus "Testosterone Files" von Max Valerio Wolf, "Testo Junkie" von Paul B. Preciado, "We both laughed in pleasure: The selected diaries of Lou Sullivan" von Lou Sullivan sowie "Stone Butch Blues" und "Transgender Warriors" von Leslie Feinberg. Gekürt zum Hörspiel des Monats Mai 2020. Orlando de Boeykens, geboren in Detroit, USA, ist ein international gefragter Tubist. Er studierte an der University of Wisconsin-Madison und an der Yale School of Music. Seit 1990 lebt er in Deutschland und spielte u.a. mit Howard Johnson"s Gravity, Carla Bley, Giora Feidman, Robbie Williams, mit den 17 Hippies, im Dedication Orchestera (London), in der NDR Big Band und auf Festivals in ganz Europa. De Boeykens war Solotubist beim neuen Sinfonieorchester Berlin und spielte bei Bremer Shakespeare Company"s "Circus Quantenschaum" mit. Seit 2012 ist er u.a. mit "The Great Hans Unstern Swindle" unterwegs. Neben seinen aktuellen Engagements arbeitet er als Coach und Dozent für Blechblasinstrumente. Tucké Royale, geboren in Quedlinburg, lebt in Berlin und arbeitet als Autor, Regisseur, Musiker und Schauspieler. Royale studierte Judaistik an der FU Berlin und Puppenspielkunst an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Seine Theaterstücke und -inszenierungen "Tucké Royale", "Ich beiße mir auf die Zunge und frühstücke den Belag, den meine Rabeneltern mir hinterließen" und "Mit Dolores habt ihr nicht gerechnet" wurden international gezeigt. Er drehte den Dokumentarfilm "Stonewall Uckermark". Sein erster Spielfilm "Neubau" gewann 2020 den 41. Max-Ophüls-Preis. Camille O (f.k.a. Hans Unstern) komponiert, macht Musik, schreibt Texte und Noten für Theater, Performance, Hörspiel und baut Instrumente. Veröffentlicht sind die Alben "Kratz Dich Raus" (2010), "The Great Hans Unstern Swindle" (2013), "Boiband - The Year I Broke My Voice" (2017) und "DIVEN" (2020) sowie der Gedichtband "Hanky Panky Know How" (2012). Hörspiel: Testosteron - eine andere Realität The Revolution Will Be Injected Länge: 54:16 Minuten